Pinselzeichnung (2017/18)
Die hier gezeigten Bilder wurden ein Jahr lang in der Kitahalle ausgestellt und sind in der Vorschulgruppe entstanden. In diesem Fall stand der Hagener Künstler Emil Schumacher Pate. In Schumachers Bildern sind malerische und zeichnerische Elemente gleichwertig zueinander in Beziehung gesetzt.
„[… Die Linie] spielt eine entscheidende Rolle. In der Linie manifestiert sich vieles, was mit Farbe nicht so einfach darzustellen ist. An der Linie erkennt man sofort, wes Geistes Kind der Maler ist. Durch die Linie wird die unmittelbare Mitteilung gemacht. Schon die Höhlenmaler haben sich ganz durch Linien ausgedrückt, Kinder äußern sich durch Linien. All dies zeigt, dass die Linie ein ganz wesentlicher Bestandteil menschlicher Äußerung ist.“ (E. Schumacher)
Bestimmte zeichnerische Motive, wie Leiter, Vogel, Rad, Haus, Pferd und Kutsche, wiederholen sich Schumachers Werk und werden mit einem malerischen Umraum verbunden, der dem Betrachter die Freiheit der Interpretation lässt.
„Der Betrachter muß mit dazu beitragen, das Bild zu bilden. Das Bild ist keine vollendete Tatsache, sondern etwas, das sich stetig entwickelt, damit es uns zu immer neuen Entdeckungen verhilft. So definiert sich ein gutes Bild. Es muß jederzeit etwas sagen und die Intensität der Entstehung widerspiegeln, damit es uns auch später noch anspricht. Je mehr vom Künstler investiert wurde, um so stärker profitieren wir als Empfänger davon.“ (E. Schumacher)
Aufgabenstellung und Vorgehen
Da Zeichnungen junger Kinder oft Ähnlichkeiten mit abstrakten Zeichnungen aufweisen, indem sie sich auf wenige, wichtige Eigenschaften der dargestellten Dinge und Lebewesen beschränken, lag eine gemeinsame Betrachtung der Bilder Schumachers als Impuls für das Einstiegsgespräch in die Arbeit nahe, bei der einige Kinder überraschend schnell Motive entdeckten und benannten.
Für dieses Thema wurde die Aufgabenstellung so konzipiert, dass ein Sinnzusammenhang für die malerisch zu gestaltende, farbige Fläche von den Kindern hergestellt werden konnte, da es nicht zu den Darstellungsgewohnheiten dieser Altersgruppe gehört, ohne konkrete Darstellungsabsicht eine Bildfläche malerisch zu gestalten. Hierfür wurden fotografische Ansichten von Landschaften und Straßen so verfremdet, dass die Motive nur noch erahnt werden konnten und im A3-Format ausgedruckt. Die Ausdrucke wurden in der Gruppe betrachtet und sowohl die unterschiedlichen Farbgebungen besprochen als auch das ursprüngliche Motiv erraten. Für die eigene Arbeit wurden dann zunächst Strukturen (Formen) auf das Papier aufgebracht, die für die jeweiligen Hintergrundmotive (Wald, Feld, Wiese, Straße, Gewässer) typisch schienen. Da sich der Farbauftrag an der Foto-Vorlage orientierte, mussten Farben abgeglichen und ggf. korrigiert werden. Hierfür wurde mit Wasser verdünnte Gouache genutzt, die aus kleinen Fläschchen direkt auf das Papier gegeben und mit dem Pinsel oder einem Schwamm vermalt wurde; gelegentlich kam auch ein Spachtel zum Einsatz. Ergänzt wurde der Farbauftrag mit weißer Farbe von der Palette. Die Kinder waren angehalten, sich ausschließlich an den Farbflächen zu orientieren und die eingeleimten Strukturen durch den Farbauftrag zu „verstecken“.
Zuletzt wurde für die noch fehlende Pinselzeichnung gemeinsam überlegt, ob sich die Farbe Schwarz mischen lasse. Ein großes Packpapier auf dem Gruppentisch ermöglichte wiederholtes Probieren und Abgleichen selbst gemischter dunkler Farbtöne. Schließlich wurde etwas schwarze Gouache zu der selbst ermischten „Dunkelfarbe“ gegeben und hiermit ein zum Hintergrund passendes Motiv als Pinselzeichnung in das eigene Bild gesetzt; ggf. wurden feinere Zeichnungen mit einem schwarzen Buntstift ergänzt.
Schlussbemerkung
Das bildnerische Vorgehen, das die Kinder hier verfolgten entspricht freilich nicht dem bildnerischen Vorgehen Schumachers. Der Farbauftrag in seinen Malereien ist beispielsweise satt, pastos, oft mit Sand vermischt und nicht wässrig, wie hier bei den Arbeiten der Kinder. Der wässrige Farbauftrag ermöglichte aber eine ungezwungene Malerei, die das spätere Motiv für die Pinselzeichnung nicht überformen würde. Die Materialität von Schumachers Farbauftrag wurde hier durch das Einleimen von Strukturen ersetzt. Auch ist ein Grün, das Natur und Wiesen erinnert oder Himmelblau eher selten in Schumachers Bildern zu finden. Für die Kinder ist Sinnhaftligkeit aber wichtig. Die vertrauten Umgebungen von Stadt, Wald, Gewässer oder Feld ermöglichten ihnen, eine Bildvorstellung zu entwickeln. Schumacher war also Impulsgeber insbesondere durch die figürlichen und gegenständlichen Elemente in seinem Spätwerk, die hier als große Pinselzeichnung zum Hauptmotiv wurden. Die fertigen Arbeiten der Kinder stehen deshalb für sich und sind keine Nachahmungen der Arbeiten Schumachers.
Seite der Emil-Schumacher-Stiftung mit vielen Abbildungen und Informationen: http://www.emil-schumacher-stiftung.de/seiten/start.html
Seite des Emil-Schumacher-Museums in Hagen: http://www.esmh.de/web/de/esmh/index.html