Löcher füllen (2012/13)

„‚[…] Und es begann also damit, daß der See Brodelbrüh eines Tages nicht mehr da war – einfach weg, versteht ihr?‘ ‚Wollen Sie sagen‘, erkundigte sich Ückück, ‚er sei ausgetrocknet?‘ ‚Nein‘, versetzte das Irrlicht, ‚dann wäre eben dort jetzt ein ausgetrockneter See. Aber das ist nicht der Fall. Dort, wo der See war, ist jetzt gar nichts mehr – einfach gar nichts, versteht ihr?‘ ‚Ein Loch?‘ grunzte der Felsenbeißer. ‚Nein, auch kein Loch‘, – das Irrlicht wirkte zusehends hilfloser – ‚ein Loch ist ja irgend etwas. Aber dort ist nichts.‘ […] ‚Wie sieht denn das aus – huhu – dieses Nichts?‘ fragte der Nachtalb. ‚Das ist es ja gerade, was so schwer zu beschreiben ist‘ […]“ Die unendliche Geschichte, Michael Ende

Wie kann man sich das Nichts vorstellen? Hat es sichtbare Merkmale? Wahrscheinlich nicht, aber die Frage  nach seiner Erscheinung eignet sich gut, um mit den Vorschulkindern ins Gespräch darüber zu kommen, was denn eigentlich die Leere oder das Nichts sei.

Löcher scheinen irgendwie mit dem Nichts verwandt zu sein, zeigen sie doch die Abwesenheit von etwas. Ausgehend von diesem Gedanken, bitte ich die Kinder im Anschluss an unser einführendes Gespräch jeweils zu zweit ein großes Loch zu malen. Hierfür stehen großformatige Papiere bereit. Ob das Loch eher dunkel oder weiß ist, müssen die Kinder selbst entscheiden. Nachdem die Löcher getrocknet sind, werden sie beim nächsten Termin ausgeschnitten und an den Seiten jeweils zwei Schnüre befestigt. Nun verlassen wir den Malraum und schauen, wo wir die Löcher platzieren können. Wenn die Kinder sich für eine gute Loch-Platzierung entschieden haben, halten zwei Kinder das Loch an den Schnüren und fixieren es auf diese Weise, während ein anderes ein Foto macht.

Zum nächsten Termin bringe ich A4-Ausdrucke der Fotos vom Copyshop mit. Ich habe alle Fotos mehrmals ausgedruckt, damit die Kinder eine größere Auswahl haben. Sie können nun die Löcher wieder füllen, indem sie mit Feder und Tusche auf die Ausdrucke zeichnen. In die Löcher kann entweder wieder zurück gezeichnet werden, was zuvor durch die Aktion weg genommen wurde oder etwas neues hinzu gedacht werden.

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