Mit Kreide und Pigment (2018/19)
In der Vorschule werden Projektwochen zum Thema „Kunst“ angeboten. Begleitend hierzu wird in den wöchentlich stattfindenden Malgruppen mit Pigmenten gearbeitet. Zuerst malen die Kinder mit Ei-Öl-Binder und Pigmenten. Das Bindemittel stellen wir gemeinsam her, indem wir Ei (wir haben das ganze Ei genutzt, aber es ist auch mögilch nur das Eigelb zu nehmen) und Öl zu gleichen Teilen in einem Glas verschütteln, danach Wasser hinzu fügen und nochmals verschütteln. Die Gruppen habe ich für diese Aufgabe verkleinert, es sind maximal sechs Kinder in einer Gruppe und jedes Kind darf einmal schütteln. Im Anschluss können sie mit Pigment und Binder ein Bild malen, das Motiv wählen sie selbst.
In der nächsten Woche versuchen wir, Pastellkreide herzustellen. Hochwertige Künstlerkreiden werden eigentlich nur aus Pigment und Binder hergestellt, damit sie besonders farbintensiv sind – man zeichnet also eigentlich nur mit Pigment, weshalb Pastellarbeiten auch fixiert werden müssen. Das können wir in diesem Fall nicht leisten – auch aus Kostengründen. Wir strecken unsere Kreiden deshalb mit Kreidepulver und geben etwas Gips hinzu, um sie stabiler zu machen. Zuvor sehen wir uns aber Kreide, Gips und fertige Künstlerpastelle an und besprechen die Unterschiede. Auch wie Kreide gewonnen wird und wie sie entstanden ist, wird besprochen (die den Kindern bekannte Tafelkreide wird beispielsweise aus Gips hergestellt, nicht aus Kreide). Die Mischungen aus Gips und Kreide bereite ich mit den Kindern in einem Glas vor, jeweils ein Kind (auch hier wieder maximal sechs Kinder/ Gruppe) sucht dann eine Farbe aus, die als Pigment hinzu gegeben wird. Das Mischverhältnis besteht etwa 1:1 aus Gips und Kreide und dann vorsichtig Teelöffelweise Pigment, bis sich das Pulver einfärbt. Durch die Zugabe des Wassers wird die Farbe der Mischung dann sehr viel intensiver. Das Wasser wird vorsichtig hinzu gegeben; manche Pigmente sind nicht wasserlöslich, hier hilft z.B. ein kleiner Tropfen Spüli. Diese Mischung füllen wir in Silikonformen, die eigentlich für Eisstangen gedacht sind; möglich ist auch gerolltes, gut verleimtes Papier, das mit Tesakrepp verschlossen und z.B. in einem Klumpen Ton fixiert wird. Die Kreide braucht etwa einen Tag zum Abbinden; in manche Kreidemischungen geben wir etwas Öl hinzu, um Ölkreiden zu erhalten – diese benötligen aber wesentlich länger zum Abbinden und sind dann teilweise zu hart, um mit ihnen zu arbeiten, für die Herstellung von Ölkreide hat sich diese Vorgehensweise nicht bewährt.
In der nächsten Woche können die Kinder die Kreiden aus den Formen lösen und sie auf einem ausgebreiteten Packpapier zum ersten Mal ausprobieren. Anschließend entstehen Stilleben mit den Kreiden und Ei-Öl-Tempera – ein ausführlicher Text dazu weiter unten.
Stilleben erschienen als gutes Motiv bzw. Thema, um die Materialien Ei-Öl-Tempera und Pastellkreide für ein ausgearbeitetes Bild zu nutzen, nachdem die Kinder bereits ein wenig Erfahrung mit einer Pinselzeichnung gemacht hatten. Auf dem Tisch standen also Flaschen, Tassen, Gläser und andere Gefäße und wir betrachteten Stilleben von Giorgio Morandi. Auf einigen seiner Stilleben wird die Stellfläche der Dinge von einer Wandfläche farblich abgegrenzt, wodurch eine horizontale Linie entsteht. Kinder im Vorschulalter orientieren sich – altersentsprechend – an der Grundlinie. Für diese Bilder gab ich ihnen, nach Betrachtung der entprechenden Beispiele bei Morandi, die Aufgabe, zunächst eine horizontale Linie zu ziehen und mindestens ein Gefäß so zu zeichnen, dass es diese Linie verdeckt und eines, das unter der Linie steht. Wenn sie wollten konnten sie auch genau auf die Linie zeichnen; über dieser horizontalen Linie könnten jedoch keine Gegenstände schweben – dies wurde nochmal mit den Dingen auf unserem Tisch und der Tischkante verdeutlicht (eines der Kinder hat troztdem eine Reihe Gefäße ausschließlich auf der Grundlinie angeordnet, was auch reizvoll ist und in gewisser Weise auch typisch für Morandi wäre, der Gefäße oft in der Linie angeordnet hat). Die Kinder zeichneten die Linie und ihre Gefäße mit den selbst hergestellten Pastellkreiden, aber auch Zeichenkohle lag hierfür bereit. Die Gefäße auf dem Tisch stellten lediglich Beispiele dar, die Kinder zeichneten auch hiervon unabhängig andere Gefäße in ihre Bilder. Die Zeichnungen konnten dann mit Pigment und Binder ausgemalt werden. Abschließend nahm sich jedes Kind zwei bis drei kleine Bögen Papier und zeichnete hierauf jeweils ein selbst gewähltes Gefäß mit Stift, Kohle oder Zeichentusche und schnitt die Form aus.
Zum nächsten Termin lagen alle Arbeiten in der Halle auf dem Boden aus, auch die ausgeschnittenen Gefäße lagen hier bereit. Die Kinder waren nun zunächst aufgefordert, sich zwei bis drei Gefäße aus diesem Fundus auszusuchen, die gut zu ihren Bildern passen würden und diese so in ihrem Bild anzuordnen, dass Überschneidungen entstünden. Hierfür musste evt. etwas probiert und die ausgeschnittenen Teile nochmal getauscht werden bis das Ergebnis befriedigend war. Die Teile wurden dann schnell mit Klebebandröllchen auf den Bildern fixiert und die Kinder nahmen ihre Arbeiten mit in den Malraum. Bevor die Hintergründe der Bilder gemalt wurden betrachteten wir nochmals die Stilleben Morandis und besprachen insbesondere die Farbigkeit der Arbeiten. Die Arbeiten der Kinder waren auch durch die intensive Pastellkreide teilweise bereits sehr bunt. Damit der Hintergrund die dargestellten Gefäße nicht farbig übertönen würde, bat ich die Kinder ihre Hintergründe – dem Beispiel Morandis folgend – in eher gedeckten Farben zu malen, außerdem sollten sich die beiden Flächen unter- und oberhalb der horizontalen Linie in Farbton oder Helligkeit unterscheiden. Zum Malen wurden die Pigmente durch die bekannte, fertige Gouachefarbe und insbesondere Weiß ergänzt.
Aus den Bildern Giorgio Morandis sind hier also nur zwei Merkmale entnommen worden: zum einen die häufig auftretende horizontale Linie im Bild, die die Grenze zwischen Stellfläche und Hintergrund zeigt, zum anderen die eher monochrome, zurückhaltende Farbgebung, insbesondere des Umraums.
Rezept magere Ei-Öl-Tempera (nach Thomas Hoppe (2018): Malkunde. ISBN 978-3-86502-108-3): 1 Raumteil Hühnerei (Eigelb und -weiß), 1 Raumteil Leinöl, 1-3 Raumteile Wasser. Beim Malen auf nicht gut saugenden Gründen kann der Ölanteil auch reduziert werden. Die Emulsion hält sich im Kühlschrank einige Tage und wird am besten in einem Glas mit Schraubdeckel angerührt und aufbewahrt.