Ästhetische Arbeit zu einem freien Thema (2007/08)
Eine besondere Herausforderung für die älteren Teilnehmerinnen der Malgruppen war in dieser Stunde die Erforschung eines ästhetischen Phänomens. Anders als sonst wollten meine Kollegin und ich kein „freies Thema“ in der Art anbieten, dass ein selbstgewähltes Motiv malerisch oder zeichnerisch umgesetzt wird, sondern ausgehend von Material, Thema oder Phänomen eine bildnerische Arbeit entstehen lassen. Da die teilnehmenden Mädchen sich im Arbeitstempo und auch in der Annahme dieser Aufgabe sehr unterschieden, blieben viele der Arbeiten als Experiment stehen und wurden in der kommenden Woche nicht wieder aufgenommen. Als Impulse hatten wir ihnen Möglichkeiten genannt, mit der Aufgabe zu beginnen (ausgehend von einem Material/ Gegenstand im Atelierraum, einem Phänomen, dass einem schwer darstellbar erscheint oder einem Thema, das gerade sowieso beschäftigt). Die Türen zum Außenbereich waren geöffnet, es konnte sowohl drinnen als auch draußen gearbeitet werden. Drei der Mädchen arbeiteten besonders intensiv:
Vanessa versuchte sich mit dem Element Wasser bzw. dem Thema Meer zu beschäftigen. Hierfür bemalte sie zunächst grob ein großes Papierformat mit blauer Farbe und legte es dann in eine große, mit Wasser gefüllte Wanne. Die Wanne wurde bewegt, die Bewegung des Papiers und der Wasseroberfläche fotografisch dokumentiert. In einem weiteren Schritt wiederholte Vanessa dieses Vorgehen mit einer farblich etwas differenzierteren „Malerei“. Sie konzentrierte sich nun – auch durch unsere Hinweise – mehr auf die möglichen verschiedenen Farbtöne von Wasser und interessante Ausschnitte beim Fotografieren.
Fia entschied relativ schnell, mit dem Spiegel aus unserem Atelierraum zu experimentieren. Sie nahm ihn mit ins Freie und legte ihn auf den Boden. Ähnlich einer Pfütze spiegelten sich so Himmel, Bäume und vorbeigehende Personen. Um das Spiegelbild zu verfremden, besprühte Fia den Spiegel mit Wasser, zeichnete in die feuchte Fläche mit dem Finger und dokumentierte dies ebenfalls fotografisch. Anschließend versuchte sie die Spiegelung der Bäume malerisch zu erfassen, diese Farbstudie erinnert an die grünliche Spiegelung auf kleinen Seen oder Fließgewässern. Aus diesem größeren Papierformat nahm sie später mithilfe eines kleinen Passepartouts verschiedene Ausschnitte und stellte diese neu zusammen.
Im Gegensatz zu Vanessa oder Fia, die eher erprobend von Material oder Phänomen ausgingen, hatte Gesa gleich zu Beginn die Idee, mit den vorhandenen Erden und Sanden ein Bild zum Thema Wüste zu gestalten. Hierfür setzte sie frei Linien auf das Papier, die an Landesgrenzen oder Luftaufnahmen von Feldern errinerten und füllte diese mit Sand und Erde aus.