Was dieser Blog sein soll
Nachdem meine Website zur Dokumentation der kunstpädagogischen Arbeit für einige Jahre im Dauerschlaf lag, habe ich entschieden nach der Neugestaltung auch einen Blog zu den Themen Bildung und Lernen in die Website zu integrieren.
Mein bisheriger Plan zur Gestaltung dieses Blogs sieht vor, insbesondere bildungswissenschaftliche Themen und Inhalte meines Studiums mit der kunstpädagogischen Praxis zu verknüpfen. Nach und nach will ich z.B. versuchen, die Dokumentation der kunstpädagogischen Arbeit mit Gedanken zu ästhetischJen Erfahrungen bzw. der ästhetischen Bildung und Erziehung zu verbinden und Theorien zu Lernen und Bildung auf die kunstpädagogische Arbeit zu beziehen. Wenn die knappen Zeitressourcen es hergeben und wenn es sich anbietet, werde ich hierzu dann auch jeweils die Texte zu den Arbeitsergebnissen der Kinder auf den Portfolioseiten mit pädagogischen oder didaktischen Überlegungen ergänzen. Es zeigt sich allerdings inzwischen, dass das Erstellen der jeweiligen Beiträge durchaus mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ich erhofft hatte. Ich bitte also um Verständnis dafür, dass es wohl nicht mehr als drei Beträge/ Jahr werden können.
Portfolio und Blog im Zusammenspiel
Die Dokumentation der kunstpädagogischen Praxis darf als Ideengeber gerne Erzieher*innen oder fachfremd Unterrichtende in der Grundschule inspirieren, ohne dass sich eine unkritische Übernahme der Motive/Themen aufdrängt- letzteres wäre jedenfalls nicht meine Intention. In jedem Fall, möchte ich dazu ermuntern, dann auch hier im Blog den dahinter stehenden Gedanken und Annahmen und der theoretischen Nachlese mit Aufgeschlossenheit zu begegnen. Auf ein Feedback – zum einen wie zum anderen – bin ich gespannt 🙂
Meine Haltung zu pädagogischen Theorien und Methoden
An dieser Stelle scheint es mir auch sinnvoll, grundsätzlich etwas zu meiner bildungswissenschaftlichen Positionierung zu sagen. Das Potenzial klassischer pädagogischer Theorien hat mich beim Studieren verschiedener Texte wiederholt beeindruckt. Eine theoretische Verkürzung in der zunehmend empirisch orientierten Bildungs- und Erziehungswissenschaft auf sozialwissenschaftliche oder psychologische Theorien und Begriffe erschien mir während meines bildungswissenschaftlichen Studiums zunehmend problematisch. Will man Verkürzungen vermeiden, können pädagogische Grundbegriffe, wie Bildung, Lernen, Erziehung oder Unterricht nicht ohne Berücksichtigung ihrer Genese angemessen aufgegriffen und auf heutige Fragen angewendet werden. Zudem lassen sich auch Erziehungsziele nicht oder nur unzulänglich aus Theorien abseits der Pädagogik herleiten und wissenschaftlich begründen. Auch heute kann und muss man also in der Lage sein, ausgehend von klassischen pädagogischen Theorien, Bezüge zur aktuellen pädagogischen Praxis herzustellen. Deshalb fordern Pädagoginnen und Pädagogen wie bspw. Burchardt (2018), dass die „einheimischen Begriffe […] gegen einen ideologischen Generalverdacht zu verteidigen und wieder einer […] pädagogischen Reflexion zuzuführen“ sind (vgl. auch Prange, 2012). Dies gilt selbstredend auch für andere Erkenntnisse aus bspw. der Psychologie oder der Sozialwissenschaft, die für pädagogische Fragestellungen unbedingt relevant sind. Diese müssen aber aus einer pädagogischen Perspektive rezipiert und reflektiert werden, statt sie aus den Nachbardisziplinen zu übernehmen und die eigenen wissenschaftlichen Fragen und Methoden an diese anzugleichen.
Bildungswissenschaftliche Positionierung und kunstpädagogische Erfahrungen
Ein Grund für meine Haltung zu pädagogischen Theorien und Methoden scheint mir auch in der eigenen langjährigen kunstpädagogischen Praxis zu liegen. Denn hier stehen z.B. klar definierte Lernziele und deren Überprüfung, die sich mit lernpsychologischen Paradigmen bearbeiten lassen, seltener im Fokus als in anderen Fachrichtungen. Ob dies durch zunehmende Kompetenzorientierung im Kunstunterricht so bleiben wird, ist abzuwarten. Die kunstpädagogischen Angebote in der Kita und den außerschulischen Kursen der Kinderwerkstatt, deren Ergebnisse auf dieser Website in Ausschnitten präsentiert werden, stellen jedenfalls das bildnerische Tun, den gestaltend-handelnden Umgang mit Welt, in den Mittelpunkt. Das In-der-Welt-Sein der Kinder bzw. Heranwachsenden wird hier sichtbar und damit implizit auch dessen Berücksichtigung eingefordert.
Literatur
Burchardt, Matthias. (2018). Bedrohte Species: Artenschutz für einheimische Begriffe: Versuch über akademische Unkultur, Hyperkritik und kreative Zerstörung. In Alfred Schirlbauer, Heribert Schopf & Gordan Varelija (Hrg.), Zeitgemäße Pädagogik. Verlust und Wiedergewinnung der „einheimischen“ Begriffe (S. 25–39). Wien: Löcker.
Prange, Klaus. (2012). Die Zeigestruktur der Erziehung: Grundriss der Operativen Pädagogik (2. Auflage). Paderborn, München, Wien, Zürich: Ferdinand Schöningh.